Reininghausplatz – Quartier 12 WB

  • Ort: Graz
  • Jahr: 2020
  • Status: Wettbewerb

Entwurfsmotive

Der neue Reininghausplatz empfängt seine Besucherinnen als klimaaktiver Wald: als Platz unter Bäumen  mischt er  Baumgruppen, die verspielt zueinander gestellt sind, mit Wasserspielen, die das Mikroklima modulieren; er mischt zahlreiche soziale Aktivitäten und verbindet Bewegungen, die durch den Platz führen, mit Einladungen zum Aufenthalt; er mischt Möglichkeiten für Märkte und Cafeterrassen mit Gelegenheiten zum spontanen Spiel. Der Platzraum mischt Intimität unter Bäumen mit der Großzügigkeit ungehinderten Durchblicks. Aus dem Kontinuum des bunten Blätterdachs treten wir hinaus in Lichtungen, die uns als Orte der Begegnung empfangen. Das Lichterspiel der Bäume, die zu kleinen Gruppen versammelt sind, wird durch farblich abgesetzte Felder im durchlaufenden Fluss der Platzfläche markiert. Die Poesie des Nivellements erzeugt eine durchgehend barrierefreie Bühne, die durch minimale Faltungen den Fluss des Wassers steuert und uns im Sommer mit dem Komfort milder Verdunstungskälte verwöhnt. Urbanität als Diversität wird im städtischen Vergnügungswald auf zahlreichen Ebenen inszeniert: als Wechselspiel von mildem Schatten und offenen Lichtungen, als schwingendes System freier Bewegungen und als Einladung zum Aufenthalt, als klimaaktive Komfortzone, die durch kleine technische Eingriffe große natürliche Effekte vor Ort erzeugt, als Ort, an dem zahlreiche Stimmungen ineinander übergehen können und als Ort der Überlagerung von zahlreichen sozialen Aktivitäten, die hier möglich gemacht werden.

Um die Auswirkungen des Klimawandels im urbanen Gebiet ausgleichen zu können, wird der gesamte Platzbereich als Komposition von wasserführenden  Flächen und als klimaaktiver Wald konzipiert. Dieses klimatisierende Raumkontinuum wird durch Funktionszonen unterbrochen: die Sonnenzone, der Veranstaltungsbereich oder die Retensionsvolumen bilden feine Lichtungen und unterbrechen Wasser und Wald.

Dort wo im Sommer Sonnen- und Wärmeinseln entstehen, werden die zentralen Wasserelemente positioniert. Im nördlichen, höheren Bereich bringt ein Fontänen- und Nebeldüsenfeld nach Bedarf Wasser in die Platzfläche ein, das dann entlang des Gesamtgefälles als dünner Wasserfilm nach Süden abfließt und dabei Verdunstungskälte erzeugt. Im südlichen Bereich wird das Differenzwasser in zwei unterschiedlichen Rententionsvolumen aufgefangen und wieder in den Mikrowasserkreislauf des Platzes eingespeist.

Im Winter befindet sich der einzige Bereich mit direkter Besonnung im nordwestlichen Bereich des Platzes. Dort wird eine Lichtung ausgebildet, um auch in der kalten Jahreszeit und im Frühjahr und Herbst eine hohe Aufenthaltsqualität durch direkte Besonnung gewährleisten zu können.

Die wichtigsten Wegebeziehungen über und durch den Platz kreuzen sich im zentralen Bereich, an dem der Marktplatz und Veranstaltungsplatz verortet wird. In wichtigen Bewegungskorridoren werden keine Bäume gepflanzt.

Die aufgebrochene Orthogonalität als wichtige städtebauliche Charakteristik wird in die Gliederung des Platzes aufgenommen und weiterentwickelt. Sie stärken den Gesamtcharakter und die Identität des Quartiers.

Das Entwässerungskonzept folgt dem natürlichen Höhenverlauf und wird nur kleinräumig an die Verortung der Wasserquellen und Retentionsvolumen am zentralen Tiefpunkt im Süden des Platzes angepasst.

Materialität und Pflanzkonzept

Die Oberflächen im Platz werden aus zwei Materialien hergestellt. Die Hauptflächen werden in einem hellen, gefrästen Asphalt ausgeführt, die Bereiche unter den Wäldchen in unterschiedlich eingefärbten Betonfeldern. Die helle Oberfläche des Asphalts generiert einen positiven Albedoeffekt und wirkt durch die Fräsungen zur Oberflächenmultiplikation mit dem darüber laufenden Wasserfilm als ‚Klimamaschine‘, die in den warmen Monaten eine angenehme Platzatmosphäre erzeugt.

Je enger die Fugen gefräst werden, desto mehr Oberfläche entsteht am Platz. Die Rippen wirken wie ein umgekehrter Heizkörper zur Verdunstungskühlung des Platzes. Die Wasserzufuhr kann nach den Bedarfen des ökologischen Platzsystems, sowie temperaturabhängig gesteuert werden.

Eingefärbter Beton erzeugt Vielfalt und komplementiert das Farbenspiel der Baumgruppen- die Flächen beginnen zu tanzen.

Ausstattung

Die Ausstattung des Platzes mit unterschiedlichen Elementen ist als Baukastensystem konzipiert. Die Elemente werden in dem jeweiligen Material der Inselflächen ausgeführt, so erhebt sich die Fläche in die dritte Dimension und wird platzräumlich wirksam.

Lichtkonzept

Die Grundausleuchtung erfüllt das Mindestmaß an Raumausleuchtung, die erforderlich ist, um nächtliche Sichtbarkeit sicher zu stellen. Diese Beleuchtung erfolgt meist von oben und erfüllt den Boden mit Licht.

In einer zweiten Ebene werden Fassadenelemente und Auslagen in die gesamte  Beleuchtungswirkung einbezogen. Einzelne Kanten oder ganze Flächen von Gebäuden werden beleuchtet, die Reflexion dieses Lichts erhellt ebenfalls den öffentlichen Stadtraum. Die Lichtquelle kann in diesem Fall extern an Auslegern oder auch im Traufbereich der jeweils erleuchteten Fassade angebracht sein.

Eine dritte Ebene bildet die Ausbildung von speziell akzentuierten Bereichen, wie Naturelemente, Möbel, Sitzstufen oder ähnliches, die dadurch eine höhere Aufmerksamkeit an sich binden. Durch die räumlich durchkomponierte Ordnung aller drei Ebenen entsteht ein lebendiger, abwechslungsreicher Lichtraum mit angenehmer Tiefenwirkung.

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