Kaiser-Josef-Platz Wels WB

  • Ort: Wels
  • Jahr: 2020
  • Status: Wettbewerb

Der Kaiser Josef Platz öffnet sich für neue Entwicklungen. Er wird einladend und frei, grün klimatisiert und jugendlich. Der Platz erzählt eine neue Geschichte. Die zentrale Umstiegsstelle in Wels wird auch der Vernetzungspunkt von Vergangenheit und Zukunft. Wie ein Gruß aus der Zukunft werden hier neue Grüne Technologien, moderne Mobilitätsformen und ein jugendliches Lebensgefühl miteinander verbunden.

 TRANSFORMIEREN – DER NEUE STADTTEPPICH

Neue Anforderungen erfordern ein neues Gesicht für den Platz. Die ‚neue Geschichte‘ wird jedoch erzählt, ohne den gesamten Bestand zu vernichten. Der respektvolle Umgang mit bestehenden Pflasterungen im gesamten Randbereich des Platzes und die Weiterentwicklung der vorhandenen formalen Motive macht es möglich, 36% der vorhandenen Oberfläche zu erhalten. Alt und neu werden zu einem harmonischen Gesamtbild verbunden und erzeugen eine überraschend frische Erscheinung. Die neue Flächen werden kostengünstig und nutzungsneutral in Asphalt ausgeführt. Die weißen Linienelemente, die an die seitlichen Lisenen anschließen werden als hochwertige Beschichtungen (epoxygebundenes Steingranulat) aufgebracht; sie sind farblich sehr hell ausgeführt, um in Summe die Helligkeit der Platzfläche zu heben (Albedo-Effekt zur Senkung der Oberflächentemperatur). Der neue Stadtteppich ist eine großzügig in den Raum gespannte Fläche und das vereinende Gestaltungsmotiv der gesamten Platzfläche.

AUFRÄUMEN UND ORDNEN

Auf dem bestehenden Platz zeigen sich räumliche Ablagerungen der vergangenen Jahre, die den freien Raumfluss unnötig einschränken. Der Versuch, hier großzügig aufzuräumen und neu zu ordnen betrifft möglichst viele ‚Einbauten‘ auf dem Platz. Ziel ist die Stärkung von freien Blickbeziehungen von Fassade zu Fassade. Möglichst viele ‚Funktionsbauten‘ (Ticketschalter, öffentliche WC-Anlage etc.) werden daher nach Möglichkeit in die Erdgeschosse der umliegenden Gebäude verlegt, Leerstände werden so reduziert.

ORGANISIEREN

Die Verlegung der zentralen Bus-Umstiegstelle in den mittleren Abschnitt des Platzes hat eine Reihe von belebenden Effekten für die Bewegungs- und Funktionsabläufe in der Innenstadt:

  • Aufwertung des westlichen Platzteils durch die Neuorganisation von Bewegungsführungen innerhalb des Innenstadtgefüges; dies bewirkt auch ein Attraktivierung dieses Platzbereichs für den Handel.
  • Die Öffnung der östlichen Platzfläche erzeugt einen weiten, gut proportionierten Platz der sich auch über die Bahnhofstraße hinweg als durchgehende Begegnungszone bis zum Hochhaus erstreckt; es entsteht eine großzügige zusammenhängende Platzfläche, die zahlreiche Aktivitäten aufnehmen kann: alltägliches Spiel, Markt, Konzert und Event, Aufenthalt, Bewegung und Begegnung.

SPIELEN UND INSZENIEREN –  DEM WARTEN FARBE GEBEN

Neben den ‚notwendigen Tätigkeiten‘ öffnet sich der neue Platz jetzt vermehrt für ‚optionale Tätigkeiten‘. Die ‚harten‘ Funktionen des Verkehrs (Aussteigen-Einsteigen-Umsteigen) sind immer verbunden mit dem mehrdeutigen Reiz von zufälligen Begegnungen und der seltsamen Leere des Wartens. Diese Tätigkeiten werden angenehmer, vielfältiger und attraktiver, wenn die Aufenthaltsqualität am Platz in vielen Farben inszeniert wird. Wir ermöglichen freie Übergänge von gastronomischen Nutzungen zu Bereichen des zwanglosen Aufenthalts, komfortable Sitzgelegenheiten im Schatten und Wasserfontänen, die spielende Kinder anziehen. Im neuen Platzbereich wird die Mitte von fixen Einbauten frei gehalten, sodass hier die Bespielung durch Märkte und Konzerte, sportliche Events und alltägliches kindliches Spiel optimal in Szene gesetzt werden kann.

GRÜN  –  KLIMAAKTIVE LAYER IM ECO-LAB

Wels reiht sich ein in die vornehme Gruppe fortschrittlicher Städte, die durch vielfältig angelegte Experimente mit modernen Begrünungssystemen einen aktiven Beitrag leisten, das Wissen über grüne Klimatechniken zu vermehren. Verschiedene Systeme werden im Eco-Lab angewendet, erprobt und verfeinert:

  • Ertüchtigung der bestehenden Bäume an der nördlichen Platzkante durch Erweiterung der Wurzelräume im Sinne des Schwammstadt-Systems. Es müssen möglichst große zusammenhängende Wurzelräume gebildet werden, die Wasser sammeln und eine verbesserte Belüftung ermöglichen.
  • Neu gesetzte Bäume im Bereich des alten Denkstein-Hauses. Hier können Bäume sofort in angemessene Pflanzräume eingesetzt werden. Sie bilden ein grünes Dach, das den Aufenthalt im Sommer attraktiver macht. Vor dem diagonalen Durchgang nach Nordosten spiegeln sie einen freundlichen Gruß aus dem neuen Martin Luther Park auf den Denksteinplatz.
  • Fassadenbegrünungen werden vor allem als bodengebundene Systeme mit vor die Fassade gestellte Rankhilfen ausgebildet; sie sind geeignet für Pflanzen, die als Spreizklimmer einen leitbaren Bewuchs entwickeln und bis zu 20m Höhe erreichen können. Die Begrünung hat durch den beschattenden Effekt und die natürliche Verdunstungskälte enorme Kühlungspotentiale im Sommer (bis zu 8°C) und kann auch im Winter wärmedämmende wirken. Je nach Belichtungs- und Beschattungssituation werden die Pflanzen ausgewählt. – Der Kaiser Josef Platz weist eine teilweise sehr heterogene Bebauungsstruktur auf, die Platzkulisse ist teilweise stark zerklüftet. Die Begrünungsebene kann Höhensprünge ausgleichen und wird genutzt, um eine maßvolle Homogenisierung des Fassadenbildes zu erreichen.
  • Grüne Schirme werden in formaler Verwandtschaft zu den runden Überdachungen im Bereich der neuen Bus-Drehscheibe entwickelt. Sie dienen als Rankgerüste für Kletterpflanzen. In Kombination mit Sprühnebeln werden sie so zu sommerlichen ‚Cool Spots‘, die dem städtischen Wärmeinsel-Effekt entgegenwirken und die Aufenthaltsqualität steigern.
  • Die hellen linienförmigen Beschichtungen (breite Linie aus epoxygebundenem Steingranulat) dienen neben der gestalterischen Wirkung im Sinne des Albedo-Effekts auch zur Kühlung der Platzoberfläche.
  • Die ästhetische Wirkung von Rankgerüsten aus weißem Stahl und feinblättrigen Pflanzen wird im Zusammenspiel mit den bestehenden Bäumen und den weißen Überdachungen im Bereich der Busdrehscheibe bestimmend für das neue Gesicht des ganzen Platzes.

BLAU – WASSER UND SPIEL

Im neuen Platzbereich wird ein Fontänenfeld eingerichtet, das niveaugleich in der Fläche liegt. Im passiven Zustand bildet es daher keine Einschränkung für die Bespielung des Platzes. Die Fontänen werden durch ein Umlaufsystem betrieben und mit Regenwasser gespeist, das von den Dächern der umliegenden Häuser gesammelt wird. Das Fontänenfeld bildet neben den kühlenden Wirkungen eine angenehme akustische Kulisse für den Platz und wird in den Sommermonaten ein großer Anziehungspunkt sein – vor allem für Kinder, die hier laufen, rollern und radeln werden (während die Eltern im nächsten Gastgarten von Kaffee zu kühlenden Getränken übergehen).

GRAU – VERKEHR

Starke und klare Gestaltung organisiert alle Bewegungen und Aktivitäten auf dem Platz, auch den Verkehr. Die Gestaltung ist so resilient, dass sie unterschiedliche und wechselnde Verkehrsführungen und Verordnungen ermöglicht: der gesamte Platz funktioniert als Begegnungszone, jedoch ebenso als (temporäre) Fußgängerzone oder als Tempo-30-Straße. Es muss jeweils nur die Verordnung geändert werden, die Gestaltung passt in jedem Fall. Folgende Aspekte werden berücksichtigt:

  • Die neue Bus-Drehscheibe wird konventionell bedient. Busse müssen einander nicht überholen, sondern stehen hintereinander in der Reihenfolge des Einfahrens; ein elektronisches System zeigt spontan an, welche Bus in welchem Sektor steht. Die neue Busdrehscheibe wird durch diese Flexibilisierung leistungsfähiger.
  • Diese Flexibilisierung ermöglicht auch die leichte Anpassung an zukünftige Nutzungen und Veränderungen im Mobilitätsverhalten, zum Beispiel im Zusammenhang mit autonomer Mobilität bzw. selbststeuernden Fahrzeugen.
  • Die Verlegung der Bus-Drehscheibe ins Zentrum erfordert keine Änderungen im angrenzenden Verkehrsregime.
  • Der gesamte Platzbereiche (der neue Stadtteppich) kann als Begegnungszone verordnet werden.
  • Es wird empfohlen, die Einbahnführung in der Bahnhofstraße auf eine Spur zu reduzieren. Die Fahrbahn ‚quert‘ den neuen Platzbereich, ohne in der Bodentextur abgebildet zu werden (Bewegungsführung nur durch Poller, mit provisorischem und spielerischem Charakter).
  • Es wird empfohlen, den Nordteil der Pfarrgasse als Begegnungszone zu verordnen.
  • Fahrgasse im östlichen (neuen, freien) Platzbereich am südlichen Rand der neu asphaltierten Fläche, ebenfalls nur durch Poller abgegrenzt. Motto: die Bewegung führt durch den Platz, nicht daran vorbei.
  • Park- und Halteflächen können hier provisorisch eingerichtet werden (Kennzeichnung durch Markierungsnägel, die jederzeit entfernt werden können.) Es wird empfohlen, mit oberirdischen Parkplätzen äußerst sparsam umzugehen, um eine möglichst effektive Verlagerung des ruhenden Verkehrs in die Tiefgarage zu bewirken. Parkplätze sind hier (temporär) möglich, sollten jedoch prinzipiell vermieden werden, um die Großzügigkeit der Platzwirkung nicht zu stören.
  • Carsharing-Plätze befinden sich in der Tiefgarage.
  • Radabstellplätze sind nicht zentral organisiert, es gibt viele kleine Anlehnbügel, die dezentral und zielnah angeordnet werden. Teilweise sind sie durch ‚Schirme‘ überdacht.

AUSSTATTUNG

Alle Ausstattungselemente entwickeln maximalen Komfort bei minimaler Schwächung des entspannten Bewegungsflusses am Platz. Sie werden daher rund ausgeführt: runde Sitzbänke, die zu freien Gruppen zusammengefügt werden; runde Dachschirme, die wie Wolken verdichtet werden; runde Pflanzgerüste, die pilzartig als begrünte schattenspendende Schirme dienen; runde Abfallbehälter; runde Ringe mit farbigen Schattenelementen, die bei wichtigen Bewegungsgelenken eingesetzt werden, um wie eine kleine (große) Krone farbige Schattenreflexe dreidimensional in den Raum zu spielen.

LICHT- BELEUCHTUNGSKONZEPT

Die Beleuchtung erfolgt durch die räumlich abgestufte Verwednung folgender Beleuchtungssysteme:

  • Die Grundbeleuchtung erfolgt durch Seilspannleuchten. Diese werden im schmäleren Platzbereich angeordnet in einer Leuchtenachse, im breiteren Platzbereich in zwei Leuchtenachsen in versetzter Anordnung. Leuchten mit LED-Bestückung, warmweiße Lichtfarbe mit blendfreier Lichttechnik. Leuchtensysteme dimmbar, gekoppelt mit Lichtsteuerungssystem, für tages- und  jahreszeitliche sowie anlassbezogene Anpassung der Beleuchtung.
  • Die Beleuchtung der abgespannten Ringe (Lichtkronen) mit eingefärbten Glasplatten: Integration von LED-Lichttechnik mit warmweißer Lichtfarbe in die Ringkonstruktion für die Grundbeleuchtung der Bodenfläche unterhalb der Ringe. Reduzierte Hinterleuchtung der färbigen Glasplatten mit LED-Strahlersystemen für eine dezente Inszenierung der Dachfläche bei Dunkelheit.
  • Beleuchtung der Sitzmöbel mit kreisrunden Dachflächen: Sitzmöbel mit eingebauten LED-Profil an der Sitzmöbel Unterseite zur Aufhellung der Bodenfläche rund um das Sitzmöbel. Beleuchtung Unterseite Dachfläche mit LED-Strahlsystemen integriert in Säule.
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