Kinderbetreuungszentrum St. Johann WB 2. Runde

  • Ort: St. Johann i. Tirol
  • Jahr: 2018
  • Status: 2. Runde

Geborgen im Nest

Der Grundgedanke des Entwurfs ist die Abkehr von einem traditionellen „kompakten“ Grundriss mit zentraler Garderobe und außenliegenden Gruppenräumen und einem außen um das Gebäude angeordneten Freibereich – hin zu einer kleinräumigeren dorfähnlichen Struktur mit großzügigen innenliegenden Gärten. Die Struktur von Haus mit Garten rundherum wird invertiert – es entstehen Gartenflächen, die vom Gebäude umschlossen sind. Drei ineinander übergehende Gärten bilden den Kern der gesamten Kinderbetreuungseinrichtung. Diese Struktur bietet durch ihren klaren Horizont und ihre Überschaubarkeit sehr viel Geborgenheit und Sicherheit für die Kinder.

 

Räumliche Orientierung

Jede Einrichtung ‑ Kindergarten sowie Kinderkrippe ‑ baut sich als Cluster aus jeweils zwei Gruppen auf, die wiederum um einen Garten mit je maximal vier Gruppen gruppiert sind. Die einzelnen Gruppen werden durch die innenliegenden Gärten über je eine Garderobe pro Cluster erschlossen. Jeder Garten hat einen eigenen Charakter, und an die Stelle von Wegweisern und symbolischen Zuordnungen (Bärli-Gruppe, Löwen-Kind etc.) tritt für die Kinder die Möglichkeit der räumlichen Orientierung. Durch den Entfall der Zentralgarderobe kann der Prozess des morgendlichen Ankommens mit den Eltern entspannter gestaltet werden und die Identifikation der Kinder mit „ihren“ Gruppen wird verstärkt.

 

Die verschlungene Welt der Kinder

Diese räumlich klare Fügung immer größer werdender räumlicher Einheiten wird durch die spielerische Zugänglichkeit des Dachbereichs zusätzlich erweitert. Das bietet den Kindern mit zunehmender Reife höhere Freiheitsgrade und bedient ihre natürliche Neugier und ihren Entdeckerdrang, ohne sie zu überfordern, da ihnen ja zugleich immer überschaubare Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die räumliche Konfiguration des Gebäudes folgt daher ganz bewusst nicht dem Typus des konventionellen Hauses, sondern ermöglicht den Kindern ein Leben in und mit der Topographie (Aufgänge und Brücken) und hilft so, ihre räumlichen Kompetenzen zu fördern.

 

Alle Nutzungen sind zu ebener Erde angeordnet, um den Kindern einen möglichst barrierearmen Bezug zum Außenraum zu ermöglichen. Alle Gruppenräume liegen direkt an einem Garten und verfügen über vorgelagerte Terrassen mit großzügig auskragenden Überdachungen, die auch vor sommerlicher Überhitzung schützen. Die Gruppenräume sind jeweils das schützende Nest, von dem aus sich verschiedene Aktivitäten der Kinder entfalten. Die Verbindung jedes Gruppenraums zum Garten kann eng und direkt geknüpft werden. Die im Außenring des Gesamtgebäudes situierten Funktions- und Bewegungsräume sind wie eine gebäudeinterne Zone öffentlicher Räume organisiert: das freie Wechselspiel von Wegen und Zielen, Gassen und Marktplätzen ermöglicht hier auch bei schlechtem Wetter gruppenübergreifende Begegnungen.

 

Städtebaulich bildet das Gebäude ein neues grünes Herz mit dörflicher Struktur. Eine bewohnbare Landschaft, ein belebter Park in einer Umgebung voller Häuser. Die Welt der Kinder ist nach innen orientiert und muss nicht außen mit Zäunen gesichert werden.

 

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