BG & BRG Völkermarkt WB

  • Ort: Völkermarkt
  • Jahr: 2021
  • Status: Wettbewerb

Der städtebauliche Rahmen

Das Gebiet mit den alten Flurnamen ‚Klagenfurter Vorstadt‘ und ‚Klosterfeld‘ soll im Zuge der Stadtentwicklung von Völkermarkt in den kommenden Jahren konsequent verdichtet werden. Zentrale Bedeutung für diese Entwicklung hat das verbesserte Zusammenspiel der Schulen, die durch die gemeinsame Nutzung von Sportanlagen, Essensbereichen und Raumangeboten miteinander verbunden werden. Der öffentliche Raum, durch den die Verbindung der Schulen erfolgt, soll nachhaltig aufgewertet werden. Das neue Campuskonzept zeigt eine kraftvolle städtebauliche Perspektive auf, die mit dem vorliegenden Projekt umgesetzt wird.

 Neue Qualität für den öffentlichen Raum

Die Neuordnung der Verkehrsorganisation bildet eine zukunftsweisende Grundlage für die zeitgemäße städtebauliche Entwicklung des gesamten Areals, in dessen Mitte sich der Schulcampus besser und freier entwickeln kann, wenn es gelingt, verkehrsfreie Räume mit guter Aufenthaltsqualität zu schaffen. Der Augustinerweg bildet die neue Haupterschließungsachse für alle Schulen. Die Befreiung dieser Achse von PKW-Durchzugsverkehr macht ihn zu einer attraktiven Lebensader im Quartier. Die überwiegende Mehrheit der Schüler wird den Schulcampus über diese Achse erreichen – zu Fuß oder per Fahrrad.

Von der Straße zum Platz

Die Johann-Heinrich-Pestalozzi-Straße wird das neue Zentrum des Schulcampus. Er kann sich von einer untergeordneten Straße zu einem verkehrsfreien Platz entwickeln, von dem aus NMS und Alpen-Adria-Gymnasium erschlossen werden. Als verkehrsfreie Zone kann er von allen Schüler*innen gefahrenfrei genutzt werden und bildet einen attraktiven Begegnungsraum mit hoher Aufenthaltsqualität.

Gebäudetypologie

Der u-förmige Schulbau zeigt eine klare Kante zum Pestalozziplatz und ist nach Westen zum Schulgarten hin über vier Geschosse feingliedrig terrassiert. Dadurch gelingt es, die Schule intern großzügig und klar zu organisieren und zugleich Freibereiche mit unterschiedlichen Raumqualitäten zu erzeugen. Im Osten wird ein urbaner Platz gebildet, im Westen zieht sich der Schulgarten landschaftsartig über Terrassen und Freiklassen bis ins 3. Obergeschoss. Die Terrassenlandschaft erweitert den Schulgarten über das Gebäude. Dadurch kann eine fein abgestimmte Begrünung als natürliche Beschattung dienen und eine intensive Verzahnung von Innen- und Außenraum erreicht werden.

Die Gartenbucht oder: Das vertikale Dorf des Lernens

Als begehbare Gebäudelandschaft bildet das neue Schulhaus eine Bucht aus, in der sich Innen- und Außenraum harmonisch durchdringen. In den nördlichen und südlichen Terrassen sind jeweils die Cluster situiert. In den Clustern gibt es keinen ‚Durchzugsverkehr‘ – sie sind jeweils am Ende von schulinternen Wegen situiert und erhalten dadurch ihre innere Ruhe. Unterrichtsräume und Freibereiche sind in den Clustern vielfältig miteinander verzahnt. Diese Struktur der Cluster schafft intensive Außenbezüge und multipliziert die attraktiven Raumzonen für Unterricht und Pause, Konzentration und Entspannung. Durch ein spielerisch gefügtes Netz von Freitreppen ist jeder Cluster wie selbstverständlich mit dem Schulgarten verbunden.

Qualitäten für die Cluster

Alle Cluster sind so am Ende von internen Wegeführungen angeordnet, so dass es nicht zu ‚Durchzugsverkehr‘ innerhalb der Cluster kommt. Das unterstützt Ruhe und Konzentration für unterschiedliche Formen des Lernens. Neben der Ergänzung der Stammklassen durch Lernzonen in differenzierten Raumformen sind alle Cluster intensiv mit dem Außenraum verzahnt. Die ‚Freiklassen‘ können auf den Terrassen individuell angeeignet werden. Das Prinzip der ‚vertikalen Gärten‘ fügt jeden Cluster in das komplexe System der Begrünungen ein. Über die Außenstiegen sind alle Cluster mit dem Schulgarten verbunden.

Aussenraumgestaltung

Der Kontrast von Platz und Garten wird klar ausgebildet. Durch das Abrücken des Gymnasiums wird der neue Pestalozzi harmonisch proportioniert. Der Platz öffnet sich nach Norden zum Augustinerweg. Im Süden wird ein beschatteter Bereich ausgebildet, der zum Aufenthalt einlädt. Wo sich die räumlich klar erkennbaren Schuleingänge ‚begegnen‘, wird die Mitte des Platzes in Anlehnung an einen Dorfplatz durch einen kraftvollen Solitärbaum gekennzeichnet.

Der Zusammenschluss von Schulgarten und Terrassen zu einer dreidimensionalen Landschaft aus fein differenzierten Außenbereichen schafft ein Maximum an Freiflächen für alle Schülerinnen. Offenheit und Intimität werden in zahlreichen Abstufungen ermöglicht. Bewegungsräume und Ruhezonen werden ergänzt durch  einen Spielhügel und ein großes Biotop. Dier Gewächshauszone im 3. Obergeschoss wird ein reichhaltiges Experimentierfeld und eine spielerische Erweiterung der Unterrichtszone. In Summe entsteht eine große Vielfalt an individuellen Situationen, die den ‚explorer spirit‘ stimulieren wird und den Schülern einen hohen Grad an Identifikation mit ihrer Schule ermöglicht.

Die Aula und die Räume für den Fachunterricht

Das interne Zentrum der Schule bildet die Aula, die sich räumlich über mehrere Geschosse öffnet und eine spürbare Mitte erzeugt. Durch die Aula sind alle internen Funktionen des Ankommens (Garderobe), des Unterrichts (Cluster und Fachunterricht), des Aufenthalts (Pausen, Nachmittagsbetreuung, Bibliothek) und von externen Nutzungen (Veranstaltungen, Sportvereine) miteinander verbunden. In den Obergeschossen sind östlich entlang des Pestalozziplatzes Räume für den Fachunterricht und die Lehrerzimmer positioniert. Im 3. Obergeschoss wird der Fachunterricht für naturwissenschaftliche Fächer stattfinden. Unmittelbar vor den Biologieräumen werden westseitig Gewächshäuser angefügt – als erweiterte Unterrichtszone bilden sie ein attraktives Experimentierfeld für Schüler und Lehrer, erweitern die Unterrichtszone und dienen der natürlichen Beschattung der internen Erschließungszone.

Vertikale Organisation und Brandabschnittsbildung

Neben den frei schwingenden Stiegenverbindungen im Aulabereich werden zwei Fluchtstiegenhäuser ausgebildet. Diese sind jeweils an der Nord- und Südfassade positioniert und bilden zugleich Nebeneingänge für spezielle Nutzergruppen. Der nördliche Zugang bildet die ’schnelle‘ Verbindung zu den Turnsälen und deren Umkleiden sowie zum ‚Sportbuffet‘ und erleichtert die Organisation für externe Nutzer (Sportvereine etc.). Der südliche Zugang ist nahe bei den Lehrerparkplätzen positioniert und bildet einen kurzen Weg zur Direktion; er kann auch problemlos für die Anlieferung genutzt werden. ‚Zweite‘ Fluchtwege aus Clustern und Fachunterrichtsräumen erfolgen jeweils über die Außenstiegen der Terrassenkaskade. (Fluchtweglängen siehe Geschosgrundrisse.)

Die Organisation im Erdgeschoss

Der Durchblick vom Pestalozziplatz durch die Aula in den Schulgarten zeigt schon beim Eintritt in die neue Schule die intensive Verzahnung mit dem Außenraum. Die Aula öffnet Blicke, zeigt Wege auf und verbindet die allgemeinen Raumfunktionen der Schule. Im südlichen Trakt werden die Bibliothek, die Aufenthaltszonen für das Nachmittagsleben und der Mehrzweckraum eingerichtet. Alle Räume ermöglichen einen direkten Zugang zum Schulgarten. In der Südostecke sind die Räume für Verwaltung und Direktion situiert – prominent und diskret. Für externe Besucher oder Eltern sind diese Räume schnell und einfach erreichbar. Dennoch bildet die Position einen dezenten Rückzugsbereich, der dennoch nahe am Zentrum der Schule liegt. Im nördlichen Trakt sind Turnsäle, Bewegungsraum sowie alle zugeordneten Raumbereiche situiert. Je nach Anforderung sind diese fließend mit der Aula verbunden oder räumlich von dieser getrennt.

Räume für den Fachunterricht

Durch die Positionierung aller Räume für den Fachunterricht an der Ostfassade liegen diese äquidistant zu den einzelnen Clustern. Von den Stammklassen zu den Fachunterrichtsräumen entstehen keine unnötig langen Wege. Die einfache Raumstruktur in diesem Bereich der Schule ermöglicht Flexibilität für interne Nutzungsverschiebungen. Die Ergänzung des Fachbereichs Biologie im 3. Obergeschoss durch ein westseitig positioniertes Gewächshaus bildet eine einzigartige Erweiterung des baulichen Lernangebots.

Turnsäle – die sportliche Seite des neuen Gymnasiums

Die Turnsäle und der Bewegungsraum sind im Untergeschoss und im Erdgeschoss positioniert und durch den Umkleidetrakt miteinander verbunden. Das nördliche Fluchtstiegenhaus bildet zugleich die Möglichkeit für einen externen Zugang sowie einen kurzen Weg von den Umkleiden nach draußen zum großen Sportplatz. Die Tribüne hat ihr höchstes Niveau im Erdgeschoss und senkt sich leicht ab, so dass hier ein feiner Raumfluss mit offenen Blickbeziehungen im Konnex mit der Aula und dem Sportbuffet ermöglicht wird. Die Umkleiden und Geräterräume sind im Untergeschoss an die aus der EG-Zone Belichteten Turnsäle und den Bewegungsraum angeschlossen. Raumflächen im Untergeschoss können bei Erfordernis um weitere Räume (z.B. Kraftraum, weitere Lager etc.) problemlos ergänzt werden.

Statische Konzeption

Der u-förmige Grundriss des Schulgebäudes weist bei den beiden Längsschenkeln eine geschossweise terrassenförmige Abtreppung auf. Das Gebäude besteht aus einem Kellergeschoss, einem Erdgeschoss sowie drei Obergeschossen. Die lastabtragende Grundstruktur besteht aus einem quadratischen Raster mit der Seitenlänge von 8,0m, teilweise alternierend mit einer Verschiebung des Rasters um eine Halbachse von 4,0m. Die horizontal lastabtragenden Bauteile sind als weitgespannte Stahlbetonbauteile konzipiert (Deckenstärke ca. 30,0cm aufgrund der Spannweite von bis zu 8,0m).

Die vertikal lastabtragenden Bauteile sind aus Holz konzipiert, wobei die Wandkonstruktionen aus Brettsperrholz in den Stärken je nach statischem Erfordernis zwischen 16,0cm und 26,0cm ausgebildet werden.

Die Säulenkonstruktionen werden aus Brettschichtholz (wo erforderlich blockverleimt) hergestellt.

Die Verbindung der vertikal lastabtragenden Bauteile aus Holz mit den horizontal lastabtragenden Bauteilen aus Stahlbeton erfolgt entweder über eingeklebte Gewindestangen oder über Schnellbauschrauben im Durchmesser von 8,0mm bis 10,0mm. Diagonalaussteifungen können durch die Ausbildung von einzelnen statisch wirksamen Wandscheiben gebildet werden. Das Gebäude ist so konzipiert, dass die vertikal lastabtragenden Bauteile (Raster 8,0m x 8,0m bzw. alternierend 4,0m x 4,0m) grundsätzlich übereinander stehen, sodass nahezu keine Auswechslungskonstruktionen erforderlich werden.

Der Turnsaal im Keller ist über zwei Geschosse geplant (Keller und Erdgeschoss). Die Überdachung des Turnsaals erfolgt mit vorgespannten Stahlbetonträgern in der Höhe von ca. 2,0m. Die Vorspannung ist erforderlich, um die Verformungen zu minimieren, da in den darüber liegenden Geschossen keine allzu großen Vertikalbewegungen zugelassen werden können. Die tragenden Teile der Fassaden werden ebenfalls aus Brettsperrholz ausgeführt. Der Keller wird in Stahlbetonbauweise ausgeführt, wobei das gesamte Gebäude auf einer tragenden Bodenplatte fundiert wird. Die Bodenplatte wird je nach Baugrundverhältnissen flach auf den Untergrund aufgelegt oder, wenn es die Baugrundverhältnisse nicht zulassen, auf Tiefgründungselementen gegründet. Das gegenständliche Gebäude soll monolithisch ohne Bauteilfugen mit dem konsequenten Einsatz von risseverteilender Bewehrung zu Minimierung von Risserscheinungen in den Stahlbetonbauteilen errichtet werden.

Energiekonzept

Durch die statische Konzeption als Hybridbauweise (vertikal Holz, horizontal Beton) sind einerseits in der Aussenhaut günstige Dämmwerte zu erzielen, andererseits bieten die Geschossdecken Speichermassen, um im Sinne des Aufbaus eines Anergienetzes (Leitungsnetz für den Transport von Wärme auf niedrigem Temperaturniveau, Kombination von Wärmepumpen mit Erdsonden bzw. einem lokalen Fernwärmenetz) positive thermische Effekte erzeugen zu können. Durch die Gebäudegeometrie öffnet sich das Schulhaus in vielen Bereichen frei zur Sonne und kann so einen erheblichen passiven Energieeintrag in der kalten Jahreszeit erreichen. Für die Beschattung in den Sommermonaten werden vielfältige Bepflanzungsmaßnahmen eingesetzt, die zur Ergänzung von konventionellen Beschattungselementen wirksam werden.

Nachhaltigkeit, Lebenszykluskosten

Die in  der Wettbewerbsauslobung definierten Ziele werden in der weiterführenden Planung berücksichtigt. Im eingereichten Entwurf werden folgende Aspekte berücksichtigt, um ein Gebäude zu schaffen, das in der Betrachtung der Lebenszykluskosten energieeffiziente und nachhaltige Kennwerte erreicht:

  • Ausbildung von Baukörperformen, die sich zur Sonne öffnen und einen hohen Grad an passiver Energienutzung ermöglichen
  • Hybridbauweise (Horizontale Bauteile STB, vertikal Holz), um ein günstiges Verhältnis von dämmenden Baustoffen und Baustoffen mit thermischer Speichermasse zu erzielen
  • Geringer Versiegelungsgrad in den Außenanlagen
  • Dachbegrünung im obersten Geschoss
  • Fassadenbegrünungen mit thermischer Wirkung (vor allem Beschattung gegen sommerliche Überhitzung)
  • Orientierung von wichtigen Fassadenflächen nach Süden bzw. Westen, passive Sonnenenergienutzung in den Wintermonaten vor allem im gartenseitigen Bereich
  • Ausführung alle Fassaden aus vorgefertigten Holzelementen
  • Individuell steuerbarer, außenliegender Sonnenschutz
  • Ausbildung eines Anergienetzes (Leitungsnetz für den Transport von Wärme auf niedrigem Temperaturniveau, Kombination von Wärmepumpen mit Erdsonden bzw. einem lokalen Fernwärmenetz)
  • PV-Anlage
  • Co2-gesteuerte Lüftungsanlage, Wärmerückgewinnung
Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr erfahren >>
OK