Vöcklabruck

  • Ort: Vöcklabruck
  • Jahr: 2009
  • Aufgabe: Die Straße als Sozialraum neu entdecken
  • Partner: in Kooperation mit FGM
    Fritz Menzl
  • Status: Leitbildentwicklung abgeschlossen, bisher nicht realisiert

Leben in der Dürnau
Die Dürnau im südlichen Ortsgebiet von Vöcklabruck ist ein Wohngebiet, das in den letzten 60 Jahren in mehreren Phasen entlang der Dürnauer Straße entstanden ist. Bestimmend sind die Nähe zum Eternit-Werk und die durch die Landesstraße gegebene räumliche Trennung vom historischen Ortszentrum in Vöcklabruck; dadurch erhält die Dürnau funktionell einen autonomen Charakter. Räumlich bestimmend sind die markante Geländekante im Norden des Gebiets (die eine Art Rücken bildet) und der freie Übergang zur Aulandschaft im Süden der Dürnau.

Bis heute gut erkennbar ist die erste Besiedlungsphase – zeitlich entstanden im Anschluss an den zweiten Weltkrieg –, die ihren kulturell prägenden Ausdruck im Siebenbürgerheim gefunden hat. Die vor allem südlich der Dürnauer Straße gelegene ursprüngliche Bebauung besteht im Wesentlichen aus freistehenden Einzelhäusern, oft ergänzt durch Garagenbauten, umgeben von privaten Gärten. Seit den späten 1960er Jahren kamen weitere Besiedlungsphasen hinzu; nördlich der Dürnauer Straße entstanden Geschosswohnbauten mit bis zu sieben Geschoßen, die räumlich recht dominant in Erscheinung treten; sie sind meist kammartig strukturiert und stehen giebelständig zur Dürnauer Straße. Die Grünflächen zwischen diesen Bauten weisen heute einen recht beachtlichen Baumbestand auf und dienen vor allem als frei fließende Distanzflächen zwischen den einzelnen Baukörpern. Weitere Bebauungen seit den 1990er Jahren bilden Lückenschlüsse und sind durch den Versuch gekennzeichnet, Wohnbebauungen mit öffentlichen (geschäftlichen) Nutzungen in Erdgeschosszonen zu kombinieren.

Die Dürnauer Straße bildet die Nahtstelle zwischen diesen unterschiedlichen Bebauungstypen. Als „Lebensader“ spielt sie eine wesentliche Rolle für den Charakter des öffentlichen Raums in der Dürnau und trägt die Hauptverkehrslast des gesamten Gebiets – sowohl im Hinblick auf den motorisierten Individualverkehr als auch im Hinblick auf den öffentlichen Verkehr, da natürlich die Buslinien auf dieser Straße fahren. Die Kreuzungsbereiche mit anderen Straßen zeichnen sich als jene Punkte aus, an denen durch die Konzentration von geschäftlichen Nutzungen und durch seitliche räumliche Erweiterungen viel soziales Leben entsteht. Die Erhaltung der Infrastruktur an der Dürnauer Straße ist vor allem für Menschen, die nicht mit Hilfe eines eigenen Autos mobil sind, von großer Bedeutung. Zur Versorgung mit Gütern des täglichen Gebrauchs einerseits, andererseits um im Geschäft oder an der Dürnauer Straße einander „zufällig“ zu begegnen. Hier halten sich Menschen im öffentlichen Raum auf, treffen sich, sprechen miteinander und beklagen sich, verweilen ein wenig oder hasten weiter, beobachten und genießen das Leben vor Ort. Unterschiedliche soziale Gruppen treffen hier aufeinander, und es stellt sich die Frage: Unterstützen die funktionalen und gestalterischen Qualitäten des öffentlichen Raums in der Dürnau das Bedürfnis, ausgleichend zu wirken? Welche Verbesserungsmöglichkeiten bestehen?

In der Dürnau sind keine gravierenden Verkehrsprobleme vorhanden – jedoch ein gewisser (klar artikulierter) Grad an Unzufriedenheit mit der bestehenden Situation. Die artikulierten Probleme: zu hohe Geschwindigkeiten (Gefahr und Lärm), Blockaden des Straßenraumes durch parkende Autos, damit verbunden: funktionelle Mängel des öffentlichen Raums als Aufenthaltsraum, fehlende Attraktivität des öffentlichen Raumes. Zurzeit ist der öffentliche Raum nur als Verkehrsraum ausgebildet, der den Anforderungen des motorisierten Individualverkehrs folgt. Wie kann eine verbesserte Balance von sozialen Nutzungen und verkehrstechnischen Nutzungen erreicht werden? Wie kann die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessert werden? Was kann die soziale Integration fördern? Wie kann der öffentliche Raum attraktiver gestaltet werden?