Pilotprojekt Gnas

  • Ort: Marktgemeinde Gnas
  • Jahr: 2010
  • Aufgabe: Umfassende Ortserneuerung
  • Partner: in Kooperation mit FGM
  • Status: Leitbildentwicklung abgeschlossen, Umsetzung in Vorbereitung

Das Thema der Ortsgestaltung begleitet die Marktgemeinde seit vielen Jahren. Seit 1997 besteht der Bedarf einer Sanierung und Neugestaltung. 2008 wurde eine neue Planung für die Ortsbildgestaltung in Auftrag gegeben. Das Ergebnis dieser Planung wurde 2009 den Bürgern in einer Informationsveranstaltung vorgestellt. Die Planung entsprach nicht den Vorstellungen der Gemeindebürger und wurde in den Archiven abgelegt. Im September 2009 wurde eine neue Bürgerbeteiligung ins Leben gerufen, die unter dem Obertitel ‚Ortsverschönerung‘ in elf Arbeitsgruppen zu folgenden Themen arbeitete:

  • Architektur
  • Raumplanung
  • Kunst & Kultur
  • Energie
  • Gemeinde
  • Kirche
  • Natur und Landschaft
  • Marketing-Werbung
  • Menschen und Gesundheit
  • Schule und Bildung
  • Verkehr und Sicherheit
  • Vereine
  • Wirtschaft und Tourismus

Ende 2009 entstand die Idee, den frisch ausgelösten Partizipationsprozess zu nutzen, um die Neugestaltung des Ortsraumes unter Verwendung der Prinzipien des Konzepts Shared Space durchzuführen. Nach Rücksprache mit dem Büro LR Edlinger Ploder, dem Verkehrsressort, den zuständigen Fachbeamten und Vertretern der Forschungsgesellschaft Mobilität FGM wurde der Ortsraum Gnas (nach Gleinstätten und Feldkirchen) als drittes Pilotprojekt Shared Space in der Steiermark eingestuft. In der Folge fand eine grundsätzliche Information über die Charakteristik eines Shared Space Prozesses statt, die Arbeitsgruppen entwickelten Leitvisionen, und ab dem Sommer 2010 wurde damit begonnen, die vorliegenden Ergebnisse im Sinne eines umzusetzenden Projekts zu operationalisieren.

Die Entwurfsmotivik
Ausgehend von der gesamträumlichen Situation, die Gnas als subregionales Zentrumin prägt und auszeichnet, wurde gemeinsam mit Bürgern und Gemeindevertretern ein soziales und im Weiteren ein räumliches Leitbild für den Ortraum von Gnas entwickelt, das von einem breitem Konsens in der Gemeinde getragen und befürwortet wird.
Eine der prägendsten Szenen bildet das Ortszentrum- von hier aus wurden die Gestaltungsthemen entwickelt die sich bis an die Ränder des zentralen Bereiches von Gnas ziehen.
Die angerartige Weitung in der Ortsmitte wird noch einmal durch das zurückversetzte ‚46er Haus‘ erweitert und bildet eine platzartige Situation. Hier wird durch die Darstellung der ursprünglichen Bebauungslinie (Grenze zum Grünbereich als weiche Grenze mit einer Baumreihe) der Platz in unterschiedlich bespielbare Zonen geteilt. Auf der Ostseite des Platzes ‚wachsen‘ die Vorzonen vor Gewerbe und Gastronomie Richtung Westen, die Fahrachse verlagert sich somit entsprechend weiter in die Mitte des Platzes. Diese erweiterte Vorzone gliedert sich in Bereiche die näher an die eigentliche Fahrbahn heranrücken und gleichzeitig Platz für eine Baumreihe geben und Bereiche dazwischen, die für den ruhenden Verkehr vorgesehen sind, jedoch in ihrer räumlichen Ausdehnung Kommunikation und soziales Leben zulassen und den Raum rhythmisieren. Auf der gegenüberliegenden Seite erweitert sich der Grünbereich Richtung Osten und es werden ebenfalls rhythmisch Buchten ausformuliert, die synkopisch zu den gegenüberliegenden angeordnet sind (Platz für Mariensäule und Brunnen). Dazwischen findet der ‚Verkehrsfluß‘ statt der sich scheinbar meandrierend durch die Ortsmitte bewegt.
Das Motiv des Meanderns setzt sich nach Norden und Süden fort und wird abschnittsweise durch die einmündenden Straßen unterbrochen (Rechtsregel). So bilden sich nicht zu lange und überschaubare Bereiche aus, die sowohl den motorisierten Verkehr als auch das Leben vor Ort berücksichtigen und eine Koexistenz von allen Nutzern des öffentlichen Raumes im zentralen Bereich von Gnas unterstützten.
Durch eine Differenzierung der Materialien (noch nicht festgelegt) werden Grenzen sanft aufgezeigt ohne den Raumfluss zu unterbrechen, geben jedoch eine Orientierungshilfe und eine auf den Bestandsraum bezogene Ordnung im Gesamtgefüge wieder.
Bereiche für Aufenthalt, Kommunikation und Handel werden räumlich erweitert und die Fahrbahnbreiten werden auf das notwendige Maß reduziert ohne dass dadurch verkehrstechnische Problemsituationen erzeugt werden.
Die Bereiche für den ruhenden Verkehr sollen im zentralen Bereich des Ortes in Zukunft als Haltebereiche dienen- das Parken und dauerhafte Abstellen von Fahrzeugen soll tendenziell an dezentralen Parkplätzen stattfinden.