Reininghaus Quartier 12

  • Ort: Graz
  • Jahr: 2017
  • Aufgabe: Ausarbeitung eines städtebaulichen Konzepts für das Quartier 12 in Graz Reininghaus
  • Status: Qualifiziert für die weitere Bearbeitung

Die Qualität der neuen Stadt erwächst aus ihrer Fähigkeit, einen kraftvollen Rahmen für die vielfältigen Ausdrucksformen des sozialen Lebens zu schaffen. Die Attraktivität der neuen Stadt entsteht aus dem geordneten und spontanen Miteinander von BürgerInnen, die einander wechselseitig beleben und ergänzen. Die Struktur der neuen Stadt bildet eine Bühne für die Entfaltung von unterschiedlichen Lebensmodellen. In der neuen Stadt sind öffentliche Räume mit unterschiedlichen Charakteren und Aktivitätsangeboten gut zueinander gefügt und ergänzen sich gegenseitig. Die Setzung der Baumassen folgt allgemeinen Gesichtspunkten einer quartiersübergreifenden Stadtkomposition; die individuelle Gestaltung der Baukörper folgt der Logik von zueinander gefügten Häusern und bildet die Vielfalt von Lebensentwürfen in der Stadt ab.

Das neue Quartier bildet sich aus Kontrast und Gleichgewicht, klaren Raumgrenzen und differenzierten Fassadenbildern, aktiv geformten öffentlichen Räumen und komplementär dazu gesetzten Bauskulpturen. Das neue Quartier ist ein Ort, an dem man in hohen Häusern wohnen und weite Blicke genießen kann; und es ist ein Ort, in dem Kinder im Garten spielen können, ohne in den Schatten gestellt zu werden. In der neuen Stadt entstehen qualifizierte Gleichgewichte von Schutz (gegen Schall) und Öffnung (zum Licht, zur frischen Luft), Durchblick und Abschluss. Die neue Stadt inszeniert den öffentlichen Raum als Bühne der freien Kommunikation, der Bewegung, des Spiels, aber auch der Möglichkeit des Rückzugs, der beiläufigen Begegnung, des Flanierens und des entspannten Aufenthalts. Im neuen Quartier finden sich Räume für aufstrebende Erfolgstypen, reflektierte Menschen in reifem Alter und Kinder, die neugierig in die Welt streben.

Das komplementär gebaute Quartier

Die westlichen Baufelder erzeugen durch zwei offene Blockstrukturen und ergänzende Häuserzeilen den großen Stadtteilplatz, der durch sekundäre Raumgliederungen in Form von Baumpflanzungen eine interne Differenzierung erfährt und die freie Bühne für Aufenthalt, Konsum, Spiel und Bewegung ist. Durch die Baukörpergestaltung der Schulbauten entsteht der Schulplatz als gemeinsamer Zugangsbereich zu beiden Schulen, der zugleich eine ergänzende Funktion als ruhiger Quartiersplatz erfüllt. Die Höhenstaffelung der Volksschule vermittelt in den Schulgarten, der nach Süden in einen Obstgarten (Schulwäldchen) ausläuft. Hier kommt die Stadt auf den Boden.

Freiräume verweben und differenzieren

Jeder Freiraum hat seine eigene Qualität und lebt aus der Kraft der Aktivitäten, die er ermöglicht. Freiräume stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzen sich. Sie sind komplementär geordnet. Alle Freiräume kommunizieren miteinander: in jedem Raum wird dem Nutzer durch Blickbeziehungen ein Gefühl davon gegeben, durch welchen Übergang er sich in andere Freiräume bewegen kann.

Heiterer Schallschutz

Die Schallbelastung des Quartiers erfordert, neben klar abgrenzenden Baukörpersetzungen, Schallschutzmaßnahmen an Fassaden. Es entstehen dadurch großräumig beruhigte und schlallfrei gestellte Bereiche im Inneren der Wohnhöfe, aber auch auf dem Schulplatz und dem Schulgarten der Volksschule. Nordseitig werden Nebenräume angeordnet; ost-, west- und südseitig werden Balkonzonen als Filterebene für den Schallschutz ausgebildet. Die flächendeckenden Schallschutzzonen erzeugen als ‚lebendes Bild‘ des individuellen Wohnens: das ‚Leben im Regal‘ zeigt die heitere Diversität der individuellen Lebensäußerungen. Die Fassade wird zum unterbewussten Ausdruck des alltäglichen Lebens. Das Leben zeigt sich, jenseits der steifen Repräsentationsgesten der alten bürgerlichen Gesellschaft.

Baukörpersetzungen gliedern Freiräume

Die Balance von Baumasse und Freiraum schafft Maßstäblichkeit und Differenzierung. Durch Öffnungen und Übergangsräume sind die klar in ihrem Charakter bestimmten Außenräume durch unterschiedliche Randzonen (wie die umlaufende Arkade), Filter (die Stiegen in die Wohnhöfe) oder Durchgänge (von Platz zu Platz) intensiv miteinander vernetzt und bieten eine verfeinertes System der fußläufigen Durchwegung und reiche Blickbeziehungen. Zwanglos stellen die Freiräume Beziehungen her und verbinden das öffentliche Leben über Quartiersgrenzen hinaus. Auch die Staffelung der Bauhöhen stellt eine harmonische Verbindungen zu turmartige Bebauungen in angrenzenden Quartieren her.

Konzentration und Entspannung – die Stadt der hohen Häuser auf den Boden bringen

Die konzentrierte Freiraumachse wird vor der ‚Erschließungsstraße‘ durch eine geöffnete Gebäudezeile gefiltert und löst sich in die entspannteren Räume von Schulplatz und Schulgarten auf. Aus dem intimen Freiraum des Schulgartens heraus steigt die verdichtete Stadt empor und erhebt sich zur großen Spannung von Turm und Platz, Block und Park. Aus Rückseiten werden Vorderseiten, jede Gebäudefassade steht frei im öffentlichen Raum. Durch Baumsetzungen entsteht in der ‚Erschließungsstraße‘ selber ein in sich rhythmisierter öffentlicher Raum, der freie Akzente vor den Schulhäusern mit dem Motiv der baumbestandenen Gasse und dem Schulplatz verbindet.

Der lebendige Block – offenes Wohnen am Hof

Die Konzeption der Wohnblöcke bietet eine angemessene Interpretation der Dialektik von urbanem Block und offenem Wohnhof. Der Block erzeugt klare Raumkanten und definiert aktiv gestaltete Außenräume. Gezielte Öffnungen machen machen den Innenhof zu einem halböffentlichen Raum, der durch die Ausformung der schwellenartigen Zugänge durch Stiegen einen räumlichen Filter bildet und dadurch eine verfeinerte Art von Öffentlichkeit erzeugt. Der geöffnete Wohnhof, der sich über dem ausgegossenen Erdgeschoss erstreckt, bietet Übergangsräume zwischen dem privaten Raum von Wohnung mit Balkon /Terrasse und dem höchsten Grad an Öffentlichkeit, der sich auf dem großen Platz entfaltet. In diesen Übergangsräumen entsteht durch die Möglichkeit von informelle Begegnungsräumen, in denen sich unterschiedliche Formen von Nachbarschaft entwickeln können. Ergänzt wird dies durch Dachgärten, die von den Bewohnern gemeinsam genutzt werden.

STRUKTUR I Sockel und Ring.

Das Sockelgeschoss ist funktionell für Nicht-Wohnnutzungen reserviert (Retail, Gastro, Büro). In Randzonen zu den Plätzen werden Arkaden eingeschnitten. Die Möglichkeit der Durchwegung führt über den Sockel – Stiegenverbindungen führen von Straßen und Platz in den erhöhten Hof. Um eine Belichtung sowie die interne Verteilung im Sockel zu gewährleisten wird zentral ein Atrium eingefügt.

Ein umlaufender viergeschossige Ring bildet den Innenhof. Der Ring wird im Spannungsfeld von Schall, Licht und Wind geformt. Gezielte Einschnitte öffnen den Innenraum und verbinden ihn mit den umgebenen Freiräumen. Die klimatologischen Anforderungen in Bezug zu Wind werden damit weiter verbessert.

STRUKTUR II Der Sockel wird zum Relief – der verfeinerte Ring

Auf den zum Relief gewordenen Sockelgeschoss wird der verfeinerte Ring gesetzt. Schallschutzmaßnahmen im erforderlichen Ausmaß werden als Filtereben in der Balkonzone ausgebildet und rücken als vermittelnde Schicht zwischen Wohnung und Platz – sie bieten das heitere Bild des sich frei entfaltenden Lebens im privaten Freibereich.

Zur Steigerung der Flexibilität der Nutzungen werden die unteren beiden Geschosse des Rings mit 3,00m Raumhöhe ausgeführt: dadurch entsteht die Möglichkeit von Büronutzungen in diesen Geschossen, und auch die ‚überhöhten‘ Wohnungen bilden eine zusätzliche Qualität.

STRUKTUR III Ring und Turm – eine bewegte Krone

Der Horizont des geöffneten Rings (5 G) bildet eine wichtige Maßstabsgrenze, die durch Höhenakzente weiter entwickelt wird. Hier wird eine Korrespondenz mit den neuen Bebauungen der Umgebung hergestellt, die ebenfalls turmartige Ausprägungen haben. Die Setzung der Türme reagiert neben den Gesichtspunkten von Licht, Wind und Schall auf die Umgebung und wirkt prägend für die differenzierte Freiraumbildung.

STRATEGIE  Individualität und Maßstab

Im lebendigen Block werden einzelne Häuser gestaltet. Die Struktur der horizontalen Funktionsschichtung wird durch die Einführung von parzellenartigen Hausgrenzen modifiziert. Die Strategie der individuellen Planung gliedert Blöcke und Zeilen in einzelne Häuser, die jeweils durch Erschließungssysteme konstituiert werden. Verschiedene Lebensstile bilden sich so auf der Basis einer Grundstruktur der Funktionsgliederung und Baumassenverteilung in individuellen Gebäudeentwürfen ab, die dem Quartier seinen Maßstab geben. Hier begegnen dem Stadtbewohner nicht funktionsbestimmte Anlagen, sondern sie stehen individuellen Haustypen gegenüber, die sich zu Blöcken, Höfen und aktiv gestalteten Straßenräumen zusammenfügen. Die Erkennbarkeit von unterscheidbaren Hausindividuen ist eine wichtige Ebene der Maßstabsbildung im gesamten Quartier.

Das Schulhaus bildet einen klar abgegrenzten Platz, der beiläufig in sich ruht. Er ist in den Schulpausen intensiv mit spielenden Kindern und Jugendlichen bevölkert, aber immer ein wenig intimer und zurückhaltender als der große Stadtteilplatz. Baumsetzungen bilden ein ruhiges Vor-Feld für die Schulhäuser und spenden im Sommer Schatten. Die Arkade an der Westseite des Platzes verbindet ihn über die Erschließungsstraße hinweg auf die gegenüberliegende Fassade und leitet von dort weiter zum großen Quartiersplatz. In den oberen Geschossen zeichnet sich das heitere Leben in den Balkonzonen ab.

Der Überblick zeigt den Übergang von der Stadt der großen Gesten zu einer klaren und differenzierten Fügung der urbanen Sphären von Wohnen, Handel, Gastronomie und Bildung. Das neue Quartier korrespondiert mit den angrenzenden Quartieren jenseits der Alten Poststraße – und vermittelt zu den Schulgärten und den angrenzenden Sportanlagen. Durchbrüche verbinden den großen Quartiersplatz mit dem Schulplatz und dem Zugang zur Volksschule. Die Schulen werden dadurch näher an den großen Platz herangerückt. Verbindungen und räumliche Überlagerungen erlauben eine räumliche Durchbildung des gesamten Quartiers. Ein dichtes und verzweigtes Netz an fußläufigen Wegeverbindungen steigert die alltägliche Lebendigkeit im Quartier, das so zu einem Ort für zahlreiche Aktivitäten wird.

Die Höhenstaffelung der einzelnen Häuser erzeugt eine belebte, harmonische Stadtskulptur. Die Baukörperausbildung der Schulen formt den Schulplatz, der beide Schulen miteinander verbindet und als baumbestandener, ruhiger Platz eine ergänzende Qualität für das Quartier erzeugt. Die Volksschule verbindet einen Hauptkörper, der um ein Atrium gebildet wird, mit einem zweiten Gebäudeteil, der eine aktive Verbindung zum Schulgarten herstellt und so eine intensive Beziehung zur angrenzenden Landschaft herstellt. Für die Volksschüler entsteht die Möglichkeit einer intensiven Verbindung von Innen und Außen. Naturraum und Stadtraum beginnen einander zu durchdringen und bereichern sich gegenseitig.

Eine lebendige Kulisse bildet den zentralen großen Stadtteilplatz. Über einem verbindenden Arkadenkranz erheben sich individuell gestaltete Haustypen, die miteinander eine klare stadträumliche Geste bilden. Das freie Wechselspiel von Raumkante und Durchblick entfaltet sich entlang der Arkaden und in den gezielt gesetzten Öffnungen zum angrenzenden Schulquartier. Schon am großen Platz sind die Schulen sichtbar und werden dadurch näher an den zentralen öffentlichen Raum geführt. Übergangsräume in den Randbereichen und unter den Arkaden bieten zahlreiche mögliche Positionen für den Aufenthalt, gastronomisch unterstützt oder konsumfrei. Die Sockelzone entlang der Arkaden ist mit kleinteiligen Geschäften besetzt, um die Qualität südlicher Stadtplätze in neuer Form aufleben zu lassen. Baumsetzungen bilden eine zweite Ebene der Raumbildung und verstärken das perspektivische Spiel der Blickachsen. Durch den Baumkranz entsteht zentral ein Platz im Platz, der zur freien Entfaltung von Spiel und Bewegung einlädt.

Nutzungsverteilungen

Die Nutzungsverteilung der Bruttogeschossfläche weist 24% Nicht-Wohnnutzung bei den Schulen auf, 16% Nichtwohnnutzungen (Retail, Gastro, Büro) in den EG-Sockel-Zonen. Durch die überhöhte Ausformung des 1. und 2. OG (3,00m lichte Raumhöhe) entstehen noch einmal 20% BGF als ‚Flex‘-Nutzung als Wohnung oder Büro. 40% der BGF als reine Wohnnutzung.

Funktionsgliederungen im Erdgeschoss

Die funktionelle Organisation in den Sockelzonen konzentrierte kleinteilige Geschäftsnutzungn an jenen Fassaden, die dem großen Stadtteilplatz zugewandt sind, um hier die Diversität von möglichst vielen Handels- und Gastroeinrichtungen zu erzielen. Großfläche Nutzungen sind eher zu den umliegenden Straßen hin organisiert.

 

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