Wohn- und Pflegeheim Göss

  • Ort: Leoben
  • Jahr: 2006
  • Partner: Architekturbüro Piantino, DI Eva Rossian und DI Andreas Ellenfeld
  • Status: Geladener Wettbewerb, nicht realisiert

Die Dynamik des Lebens und der Gesellschaft zwingt uns zu dynamischen gebauten Strukturen. Eben dieser Dynamik soll in diesem Entwurf Rechnung getragen werden.
Die einzelnen Bereiche sollen, selbst wenn sie abgegrenzt sind, in einen größeren Prozess integriert werden, fließen, ineinander übergehen. Dies gilt sowohl für die Bewohner und Besucher, als auch für die einzelnen Bereiche des Gebäudekomplexes Kompetenzzentrum/Demenzstation/Pflegeheim und das betreute Wohnen, sowie für die gesamte Anlage als inter-soziales Netzwerk.
Die Erschließung des Pflegeheimes erfolgt für den Fahrzeugverkehr über die Westzufahrt entlang der Nordseite des Gebäudes, wo auch die Besucherparkplätze vorgesehen sind, die des betreuten Wohnens über die Ostzufahrt. Der akustisch und optisch von der Straße/Einfahrt abgeschirmte Eingangsbereich zum Gebäudekomplex soll durch die unmittelbare Nachbarschaft zum betreuten Wohnen und seine zentrale Lage eine dorfplatzähnliche Situation schaffen und ist sogleich Synapse für äußere und innere Einflüsse. Hier ist der Ort, an dem die (Innen-) Achse zwischen den beiden Gebäuden und die (Außen-) Achse zwischen „draußen“, dem Innenhof und dem Hochgarten an der Südseite verlaufen.
Die Durchschaubarkeit der verglasten Fugen zwischen den beiden Volumina, die das Gebäude zu einer Einheit zusammenfügen, folgt dieser Achse. Gleichzeitig wird der Blick in den nach oben hin geöffneten zentralen Hof gelenkt und das Gebäude wird in seiner Höhenentwicklung erfahrbar, die Raumdiagonale wird so durch eine Diametrale ergänzt, der Außenraum dringt nach innen. Der Innenhof stellt neben seiner Verbindung nach außen auch die innerhalb der beiden ineinander verschränkten Baukörper, sowie der einzelnen Geschosse her. Die aufgelöste Situation des Zentrums erklärt die Struktur, das Konzept in seiner Gliederung, die Zuordnung der einzelnen Bereiche ist eindeutig und wird durch die Variationen der Außenraumbeziehungen unterstrichen.
Beide Baukörper werden um/durch den Innenhof zu einer Einheit geformt, jeder Bauteil weist einen Knick auf, um den Gängen einerseits ihre Geradlinigkeit und Absehbarkeit zu nehmen und andererseits die vermeintlichen Distanzen zu verkürzen. Das natürliche Licht soll imstande sein, den Gang der Dinge zu durchbrechen, in die unumstößliche Ordnung der Dinge einzufließen. Das Gebäude soll den Bewohnern so ein Gefühl von Geborgenheit und Offenheit gleichermaßen geben.
Im ebenerdigen Geschoss erschließen sich das Kompetenzzentrum, der Mehrzweckbereich mit Cafeteria, die Verwaltung sowie auch die Wirtschaftsräume und die Bedienstetengarage. Das Kompetenzzentrum ist in das Gebäude integriert, stellt aber dennoch einen eigenständigen und separat zugänglichen Bereich dar. Der Mehrzweckbereich öffnet sich einerseits zum Innenhof, andererseits dreiseitig durch großzügige Glasfronten nach außen.
Das erste Obergeschoss, das die an Demenz erkrankten Menschen beherbergt, wird von dem Konzept getragen, abwechslungsreichen Bewegungsraum für die Bewohner zu schaffen, der sich von den Tagräumen über die Gänge mit Einblick in den Innenhof bis hin zu dem über der Garage befindlichen Hochgarten erstreckt, wobei zusätzliche Rastplätze in den Mauernischen vorgesehen sind. Der vom Obergeschoss zugängliche Hochgarten hat nicht nur den Vorteil, die Garage zu verbergen, er dient gleichzeitig auch der optischen Abminderung der Mauerhöhe (Schallschutz), abgesehen von seiner ursprünglichen Intention – der Extension des Innenraumes.
Die jeweils kopfseitig gelegenen, ebenfalls dreiseitig verglasten und zum Innenhof geöffneten Tagräume/Essräume sollen ihrerseits den Benutzern als Raum für Tagträume, Kommunikation, Unterhaltung, Aufenthalt und Aufnahme von Essen sowie äußerlichen Reizen dienen, eine Verbindung nach außen darstellen und Rastlosen auf ihrem Weg mehr als eine Art Durch-/Anlaufstation und nicht als abrupte Sackgasse erscheinen.
Die Multifunktionsräume und die Räume des Pflegepersonals befinden sich an der Schnittstelle zwischen beiden Gebäudeteilen um den Innenhof angeordnet und sind aufgrund ihrer exponierten Lage als solche klar erkennbar.
Das zweite Obergeschoss, in dem die Altenpflege angesiedelt ist, unterscheidet sich vom ersten vor allem durch die Tagraumsubstitute am jeweiligen Gebäudekopf in Form von eventuell begrünten Terrassen, die auch als Kräutergärten fungieren könnten und so eine weitere Schnittstelle der Beziehung von Innen/Außen konkretisieren. Der Tagraum/Essraum grenzt in diesem Geschoss direkt an den Innenhof.