BRG Diefenbachgasse

  • Ort: Wien
  • Jahr: 2009
  • Partner: ThP Architekten
  • Status: Wettbewerb nicht realisiert

Fast jede Bauaufgabe die heute bewältigt werden soll, ist geprägt von der Schwierigkeit mit bebauter Struktur umgehen zu müssen. Die Integration neuer Substanzen in bebauter Umgebung, stellt eine der größten Herausforderungen der heutigen Baukultur dar. Die Bedürfnisse verschiedener Zeiten und die gegenwärtigen Mittel, prägen die Erscheinungsformen menschlichen Bauens. Die Bedürfnisse und Mittel der Gegenwart scheinen sich jedoch mit einer beschleunigenden Schnelle von den Bedürfnissen und Mitteln älterer Zeiten abzulösen. Die Bauwerke ihrerseits sind beständiger und bilden Gegenwart für viele Generationen. Durch diesen beständigen Charakter der Baukunst, wird unweigerlich das Verhältnis von Alt und Neu in jedem Moment sichtbar.
Das Schulgelände der Diefenbachgasse ist geprägt durch den homogenen, dreigliedrigen Baukörper des Bestandsgebäudes aus der Epoche des Wiener Jugendstils.
Das zu bebauende Grundstück spiegelt die Grundfläche des Bestandes Richtung Südwesten und bildet mit der Storchengasse und der Diefenbachgasse eine neue Städtebauliche Ecksituation.
Der neue Baukörper wird als kompakter Südwestflügel und als Verlängerung des Haupttraktes entlang der Diefenbachgasse situiert. Dadurch wird die Hauptfassade bis zur Storchengasse verlängert und eine Schnittstelle zum städtischen Raum und dem neuerschaffenen südlichen Grünhof definiert. Der Baukörper ist viergeschossig gegliedert. Alle neuen Funktionen werden in diesem Südwestflügel angeordnet. Das Grundstück wird dabei ökonomisch erschlossen und birgt an der nordwestlichen Grenze zur Storchengasse Potential für Erweiterungen. Ganz im Zeichen der kompakten Ausformulierung des Neubaus, wird der Turnsaal mit allen notwendigen Funktionen abgesenkt und der Höhenunterschied des bestehenden Hochparterres zur Straße kann für eine optimale Kubatur des Saales gewonnen werden. Das Niveau des südlichen Hofes schließt an das abgesenkte Niveau der Funktionsfolge des Turnsaales an. Dadurch kann dieser Funktionsbereich unabhängig vom schulischen Betrieb für externe Nutzer erschlossen werden und eine barrierefreie Verbindung zum Untergeschoss des Bestandes wird geschaffen. Die Innenhofsituation wird mit Grünflächen, Sitzstufen, Terrassen und Rampen gestaffelt und schließt an das Niveau der Storchengasse nordwestlich an. An dieser Schnittstelle sind überdachte Stellflächen für 200 Fahrräder sowie einer von zwei Behindertenparkplätzen situiert. Das Thema „Platz“ und „Außenraum“ wird spielerisch in die Synthese von „Alt“ und „Neu“ eingewoben und bietet den Schülern eine vielschichtige Nutzungsmöglichkeit. Wege und Plätze, Stiegen und Gassen bilden eine Vielzahl räumlicher Situationen. Die Gliederung des Außenraums schafft eine feine Balance von öffentlichen und halböffentlichen Zonen, Räumen der Begegnung und Möglichkeiten der Konzentration. Die räumlich konzentrierte Situation und die Ausbildung der landschaftsbildenden Hoffassade lässt ein reich gegliedertes und frei entfaltetes Campus-Gelände entstehen. Die klare Gestalt des viergeschossigen Baukörpers wird durch eingeschnittene Atrien dreidimensional durchgebildet.
Die geschlossene Bebauung, die das gesamte planungsgebiet prägt, wird auf den straßenseitigen Fassaden weiterentwickelt und betet den neuen Baukörper in den städtischen Raum ein. An der offenen Westseite des Bauplatzes wird der geschlossene Charakter der Umgebung durch eine Reihe von Bäumen skizziert.
Der Entwurf respektiert die Gesetze der bestehenden historischen Substanz und ergänzt das Ensemble mit zeitgenössischer Architektur. Es wurde der Versuch unternommen, den Rhythmus der bestehenden Architektur aufzunehmen, zu Transformieren und auf neue Weise wieder zu geben. Der Neubau übernimmt die bestehende Geschoss,- und Fassadengliederung und setzt diese in verwandelter Form fort. Weiters wird die bestehende Trauflinie als Gebäudeoberkante des Neubaus weitergeführt.

An der Schnittstelle zum Bestand wird der Neubau gestalterisch und funktional als Haupteingang durchgebildet. Dabei faltet sich das Gebäude wie ein Vorhang zur Seite und bildet einen überdeckten Vorplatz und ein großzügiges Entree mit Pausenfläche und Vertikalerschließung. Durch die großzügige Eingangssituation, die schaltbar für Schule und externe Nutzer sowohl gemeinsam als auch getrennt funktioniert wird man zentral in das neue Gebäudeensemble eingeleitet.
Die Funktionen sind übersichtlich strukturiert und folgendermaßen angeordnet:
Im anschließenden westlichen Eckrisalit des Bestandes werden über alle Geschosse zentral und übersichtlich die Garderoben angeordnet. An diesem Gelenk zwischen Neubau und Bestand entsteht ein neues „Zentrum“ als Orientierungspunkt des Gebäudeensembles, von dem aus alle Funktionen schnell und übersichtlich erreichbar und erlebbar sind. Alle Geschoßhöhen des Neubaus schließen an die Bestandshöhen an, dadurch werden sämtliche Räume barrierefrei erschlossen. Neben den Wandelflächen des Eingangsfoyers wird auf dem Niveau des Hochparterres im Neubau das Werken in Folge der Bestandswerkstätten situiert. Im ersten Obergeschoß werden die bestehende Verwaltung und die Räume für Lehrer als Erweiterung des Bestandes fortgesetzt. Die Bibliothek bildet dabei den nordwestlichen Abschluss des Geschosses und kann über drei Seiten belichtet werden. Im direkten Anschluss zur Bibliothek öffnet sich der Gangbereich zum Lesegarten. Im zweiten Obergeschoss des Gebäudes werden die Räume des Sonderunterrichtes untergebracht. Das oberste Geschoss beherbergt den Speisesaal mit Küche, den Mehrzwecksaal und den Musiksaal, als auch die EDV-Räume. Hier entsteht das kulturelle und gesellschaftliche Zentrum der Schule.
Die Grundlage eines funktionierenden Energiekonzeptes stellt die Ausrichtung und Kompaktheit des Baukörpers dar. Durch die Orientierung und Funktionszuordnung der Räume im Neubau können externe Energieeinträge optimal genutzt werden und bieten die Grundlage für eine natürliche Belichtung des gesamten Baukörpers.
Die konstruktive Durchbildung als Stahlbetonskelettbau mit einer durchgehenden Plattengründung wird als kernaktivierte Speichermasse wirksam. Unter dem gesamten Aushub des Platzes werden Erdwärmekollektoren eingelegt, die das Gebäude konstant temperieren. Um der sommerlichen Überwärmung entgegen zu wirken werden innenliegende Oberflächen mit latenten Wärmespeicherplatten verkleidet.
Die Klassen- und Funktionsräume orientieren sich nach Nordwesten, während die Erschließung auf der Südostseite situiert als weitere Pufferzone dient. Entsprechend dieser Funktionszuordnung gliedern sich auch die Fassaden. Die Südfassade wird so als multifunktionale zweischalige Konstruktion ausgeführt und führt so zu einer Minimierung der Betriebskosten. Ebenfalls sind auf dem extensiv begrünten Flachdach Sonnenkollektoren zur Warmwassererzeugung sowie PV Paneele vorgesehen.
Die einzelnen o. a. Maßnahmen tragen günstig zu einer niedrigen Gesamtenergiebilanz bei und spiegeln eine zeitgemäße und moderne Bauform.