Bad Aussee 2. Preis

  • Ort: Bad Aussee
  • Jahr: 2012
  • Aufgabe: Baden in den Bergen
  • Partner: Architekturbüro Moosbrugger+Jartschitsch
  • Status: Geladener Wettbewerb, 2. Preis

Korrespondenz (1) | die Erlebniskategorie des Gastes
Freizeit ist Natur. Welche Mittel helfen mir, die Natur gesteigert zu erleben: konzentriert, intim, intensiv? Die Silhouette des Alpenpanoramas wird durch feierliche Fassadenöffnungen zum Spiegel des Erlebens: überraschende Ausblicke, weite Perspektiven; heroische Ferne und angenehme Ruhe im Rückzug. Das Erleben im Innen korrespondiert mit der Kraft der Naturerscheinung außen, das Bauwerk wird zu einem Organ des gehobenen Naturerlebens.

Korrespondenz (2) | die Wahrnehmung der Form: Ortsbildschutz und Landschaftsbild
Einzelne formale Elemente der Bauwerke korrespondieren mit Baumotiven der etablierten lokalen Architektursprache (ohne diese zu kopieren) – es entsteht das geheimnisvolle Gefühl von Zusammenhang. Korrespondenz von Maßstab – Geometrie (in Einzelelementen) – Materialwerten.
Das Gebäudeensemble korrespondiert (assoziativ) mit den umgebenden Gebirgskulissen; oder sieht es nicht auch ein wenig aus wie heiliges Wasser, das den Hang hinunterrobbt?

Kontrast (1) | Landschaftsfluss gegen Gebäudeform
Der freie feine Fluss der Landschaftsformen auf dem Bauplatz wird durch die klare, ebenflächig begrenzte Geometrie der Gebäude kontrastiert und dadurch in ihrer Kraft zur Geltung gebracht. Die Hotelkörper werden klar in das Gelände geschoben, um an der Gebäudekante den freien Fluss der Landschaft optimal zur Erscheinung zu bringen.

Kontrast (2) | Heiße Höhlen und kalte Wasser: Spannung für die Sinne, Gleichgewicht im Erleben
Heiß und Kalt (Sauna), das Feuchte und das Trockene, geborgen (intim) bei mir und heroisch (exaltiert) ganz bei den Berggipfeln: von der Hitze der Saunahöhle schreiten wir schrittweise hinaus ins Weite und Offene.

Konzentration (1)| Gebäudegruppen lassen Raum
Sowohl das Vitalbald als auch das Hotel werden kompakt und konzentriert gestaltet. Der Sattel in der Geländestruktur, über den die Wiesen frei fließen (und auf dessen Grat der jahrhundertealte, heilige Wanderweg erkennbar ist) kann dadurch von oberirdischen Bebauungen frei gehalten werden. Zwischen den konzentriert zusammengefügten Funktionsgruppen des Wohnens und des Badens bleibt Raum für den ungeteilten Fluss der Landschaft

Konzentration (2) | Bei sich sein, zu Gast – im Ort der Ruhe
Differenzierte Möglichkeiten des Rückzugs im Vitalbad unterstützen die Konzentration des Gastes. Nahe beim Wasser oder schwebend in den Aussichtsnestern (und im Gefühl schon ganz draußen beim Dachsteinmassiv); in der Intimität des Floatingbeckens oder in der Saunalandschaft; in der Nähe zu den gastronomischen Angeboten oder in den abgesenkten, fassadennahen Bereichen buchstäblich in die Landschat eingetaucht. Im Bad finden sich fein differenzierte Ruhe- und Zuschauerpositionen, in denen man entspannt bei sich zu Gast sein kann.

Kontemplation (1) | Organe des Naturerlebens: die Dachterrassen
Durch die gebaute Infrastruktur wird die Erscheinung der Natur zum gehobenen Freizeitvergnügen. In den Obergeschossen der Wohnungen und im freien Übergang zu den Dachgärten lässt der Blick in die Gebirgskulisse den Bewohner leicht werden als sei er schon im Himmel. Die gebaute Architektur wird zu einem Organ des Naturerlebnisses, wenn es gelingt, Blicke zu inszenieren und das Ferne Schöne in die Intimität des alltäglichen Erlebens zu integrieren. Freizeit ist Natur.

Kontemplation (2) | feierlich und majestätisch, entspannt und ein wenig verträumt
Die Südfront des Vitalbades bildet eine reiche Landschaft an Vor- und Rücksprüngen; sie ragt turmhoch on den Himmel oder senkt sich behaglich zum Erdboden, sie bildet Nischen (für den Windschatten) oder lässt uns frei hinaustreten (ins Licht des Mittags), sie inszeniert Ausblicke (nicht ohne Pathos), sie gewährt uns Einblicke ins heiter Warme der Innenlandschaft, behaglich und verträumt.

Zur Organisation des Hotels.
Das Hotel ist in einen Nord- und einen Südflügel gegliedert, die durch ein nordseitig freigestelltes Untergschoss miteinander verbunden sind. Die auf Stützen stehenden Hotelflügel bilden eine Überdachung für parkierende Autos – dieses freie Parkdeck (im Sinne des Brandschutzes keine Tiefgarage) wird seitlich optisch geschlossen (freie Lattenstruktur), um die Autos zum Verschwinden zu bringen und zu verhindern, dass das Hotel umringt ist von einem See an parkenden Autos. Der bestehende Wanderweg wird nicht blockiert, sondern auf EG-Niveau frei zwischen den beiden Flügeln hindurchgeführt.

Über diesem optisch mit dem Erdreich verbundenen ‚Sockel’ erheben sich über jeweils zwei Geschosse zwei ruhige klare Baukörper, die frei mit den Bewegungen der fließenden Landschaft spielen. Darüber wird eine Dachlandschaft aus Einzelbaukörpern mit einfachen, klaren Geometrien ausgebildet. Alle großen Apartementzimmer (Typ A) werden als Maisonette ausgeführt und verfügen jeweils über einen Wohnraum im Dachgeschoss sowie über eine zugeordnete Terrasse. Ebenfalls in die Dachlandschaft integriert ist der Aufenthaltsraum für Gäste.

Die Verbindung zur Therme erfolgt klimatisiert durch einen teilweise unterirdischen Gang oder oberirdisch über die Verbindungswege, die frei durch das Gelände schwingen. Der Verbindungsgang wird durch kleine Lichthäuser unterbrochen, die Ausblicke inszenieren und wichtige Etappen für die Bewegung bilden.

Technisch wird das Hotel aus Gründen der Kosteneffizienz um eine Primärkonstruktion aus Stahlbeton herum gebaut (Stützenkonstruktion und Geschossdecken); der Ausbau erfolgt großteils in Leichtbauweise, als Fassadenmaterial kommen nur Glas und Holz (in unterschiedlichen Schalungsformen) zum Einsatz. Es werden die Vorteile des Stahlbetonbaus (im Hinblick auf Kosten, Akustik und Brandschutz) mit den Qualitäten des Holzes als erlebbares Oberflächenmaterial kombiniert.

Das Konzept für das Vitalbad.
Die Struktur des Bades folgt der klaren Trennung von Funktionsgruppen und der möglichst konsequenten Entflechtung von einander fremden Wegen sowie der möglichst stimmungsvollen Inszenierung von Erlebnisfolgen der Gäste. Um das Zentrum des Foyers (das ja zusätzlich die Aufgabe einer Hotelrezeption aufnehmen muss) werden alle Funktionsgruppen so angeordnet, dass Unterschiede im Raumklima möglichst klar bautechnisch abgegrenzt werden können, um jene Bereiche mit erhöhten bauphysikalischen Anforderungen (und entsprechend aufwändiger haustechnischer Ausstattung) nicht unnötig groß werden zu lassen.
Gleichzeitig werden schon im Foyer intensive Blickbeziehungen aufgebaut, die für jeden Gast den Weg zum erlösenden Wasser intensiv gestalten: vom Foyer gibt es klare Blickbeziehungen in die Badehalle und andeutungsvolle Blicke in den Saunabereich. Jeder Gast kann klar erkennen, wohin er geht: in die Therapierräume bzw. in die Fittnesskuppel – oder in die area of change, den Umkleidebereich.

Durch die geschossmäßige Trennung des Zutrittsbereichs und der Ebene der Badelandschaften (eine leichte Überhöhung des natürlichen Geländeverlaufs) gelangt der Badegast beim Austritt aus der Verwandlungszone auf eine Galerie, von der aus er den freien Blick über die Badelandschaft hat. Königlich steigt er hinunter und findet ein fein differenziertes Angebot an unterschiedlichen Raumzonen und Lichtstimmungen. Das setzt sich in der Saunalandschaft fort, die frei in den Außenbereich übergeht – der um einen ruhigen hofartigen Bereich strukturiert ist. Von hier vertikale Verbindungen in den Bereich Wellness, der wiederum horizontal verbunden ist mit Therapie und Fitness (Turnen im Himmel). Gastronomie auf Badeniveau im Übergangsbereich zwischen Vitalbad und Sauna, über einen Speise- und Personallift vertikal verbunden mit dem Restaurant im Obergeschoss (Speisen mitten im Gebirge der Dachlandschaft). Klare Ausbildung von getrennten Funktions- und Bewegungskreisen für Gäste und Personal, An- und Ablieferung über einen Wirtschaftshof (ohne Belästigung von Gästen).

Konstruktiv wird die Trennung der Funktionsbereiche in eine klare Trennung von Materialkonzepten und Konstruktionsprinzipien übersetzt. Alle erdberührten Bauzonen werden als Stahlbetonbau konstruiert. Bereiche ohne besondere bauphysikalische Anforderungen (Wärme, Feuchtigkeitsdruck, Sole) wie z.B. Therapie und Fittness, Verwaltung und Restauration (Dach) werden um eine Primärkonstruktion aus Stahlbeton gebaut: Innenräume den jeweiligen Stimmungen angepasst, Fassaden als Glas- und Holzhüllen, Dachflächen in Blech (teilweise Fotovoltaik). In den belasteten Bereichen wechselt die Konstruktion auf eine Primärkonstruktion aus Holz. Die gewählte Gebäudegeometrie und der Einsatz von V-förmigen Mittelstützen (lt. Bäderplaner auch in Becken problemlos möglich) vermeidet weite Spannweiten, ebenso vermieden werden Verglasungen in geneigten Ebenen.

Die Organisation des Bades lässt eine maßvolle Redimensionierung zahlreicher Bereiche zu, ohne dass dadurch die elementaren Entwurfsmotive und die Funktionszusammenhänge geändert werden müssen. Das Konzept ist (funktionell und formal) stark genug, um im Hinblick auf Anpassungen die gewünschte (oder erforderliche) Flexibilität zeigen zu können.